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Prävention sexualisierte Gewalt

Erweitertes Führungszeugnis und §72a SGB VIII

Das Kinder- und Jugendamt wird in den kommenden Wochen und Monaten die Träger der freien Jugendhilfe in Heidelberg anschreiben und sie um die Unterzeichnung der in der Mappe enthaltenen Vereinbarung bitten. Dies entspricht der gesetzlichen Grundlage des §72a SGB VIII.

Für Vereine im Stadtgebiet Heidelberg

Für die Stadt Heidelberg bedeutet dies, dass die "Heidelberger Mustervereinbarung" angewendet wird. Weitere Informationen erhalten Sie hier oder direkt beim Jugendamt der Stadt Heidelberg: Frau Söhngen, Telefon 06221 58-37240 

Für Vereine außerhalb Stadtgebiet Heidelbergs

Kein Einsatz ohne Führungszeugnis

Um sexuellen Missbrauch von Minderjährigen vorzubeugen, müssen Mitarbeiter von Vereinen und Verbänden ein Dokument vorlegen 

Von Alexander Albrecht, RNZ

Rhein-Neckar. Der Gesetzgeber will Kinder und Jugendliche besser vor sexueller Gewalt schützen. Auch in Vereinen. Viele Mitarbeiter müssen ein Erweitertes Führungszeugnis vorlegen, um zu dokumentieren, dass sie bedenkenlos eingesetzt werden können. Die RNZ beantwortet die wichtigsten Fragen. 

Wer muss ein Erweitertes Führungszeugnis vorlegen?

Alle, die bei sogenannten Trägern der Freien Jugendhilfe, also etwa Vereine oder Verbände, ehrenamtlich oder nebenamtlich Kinder und Jugendliche beaufsichtigen, sie betreuen, erziehen, ausbilden oder in regelmäßigem Kontakt zu ihnen stehen. Der Rhein-Neckar-Kreis hat einen Leitfaden herausgegeben, der ein Prüfschema enthält und bei der Entscheidung hilft. Das Führungszeugnis darf bei der Vorlage nicht älter als drei Monate sein. 

Was kommt auf die Vereine zu? 

Allein das Jugendamt des Rhein-Neckar-Kreises hat rund 1700 Vereine im Landkreis angeschrieben. In diesem Schreiben wird auch ein Angebot zum Abschluss einer Kooperationsvereinbarung gemacht. Darin verpflichten sich die Vereine, keine Mitarbeiter einzusetzen, die zum Beispiel wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden sind. 

Was ist, wenn ein Verein sich gegen die Vereinbarung sperrt?

Zwingen kann man niemanden dazu. Aber: Vereine bekommen Zuschüsse vom Kreis und den Kommunen. Sie könnten diese Zuwendungen davon abhängig machen, dass die Vereinbarung auch tatsächlich unterschrieben wird. 

Können die Vereine die Führungszeugnisse für ihre Mitarbeiter beantragen?

Nein. Die Mitarbeiter müssen das Dokument selbst beim Einwohnermeldeamt beantragen. Sie bekommen es anschließend auch persönlich zugestellt. Bei Minderjährigen können die Eltern das Zeugnis in Auftrag geben. 

Wer trägt die Kosten?

Das Erweiterte Führungszeugnis kostet 13 Euro. Die Ehrenamtler können sich von dieser Gebühr jedoch befreien lassen, wenn sie dazu eine entsprechende Bestätigung des Trägers oder des Vereins bei der Gemeinde vorlegen. 

Wer darf Einsicht in das Zeugnis nehmen?

Das wird von den Vereinen und Verbänden selbst geregelt. Sie bestimmen dazu eine oder mehrere Personen, die auch für die Dokumentation verantwortlich sind. Allzu groß sollte der Kreis der Mitwisser nicht werden. 

Wie erfolgt die Dokumentation in den Vereinen?

Es ist verboten, die Zeugnisse zu kopieren. Die Datenschutzregelungen sind hier sehr streng. Als Nachweis über die Vorlage dürfen lediglich der Name des Mitarbeiters und das Datum der Ausstellung des Papiers sowie der Vorlage beim Verein notiert werden. Danach bleibt das Zeugnis bei seinem Besitzer. Ist der Mitarbeiter wegen einer Straftat nach dem Bundeskinderschutzgesetz oder dem Strafgesetzbuch verurteilt worden oder weigert er sich, die Bescheinigung vorzulegen, darf er keine Tätigkeit in der Kinder- und Jugendarbeit ausüben. Alle fünf Jahre muss das Erweiterte Führungszeugnis aktualisiert und erneut vorgelegt werden. 

Werden hier nicht sämtliche Vereinsmitarbeiter unter Generalverdacht gestellt?

„Keinesfalls“, sagt Tanja Kramper vom Präventionsreferat des Mannheimer Polizeipräsidiums, „und es ist auch nicht das Ziel, dass die Vereine jetzt intern Jagd auf verdächtige Personen machen“. Wenn „nur“ ein Fall von Missbrauch durch die Einsichtnahme in das Zeugnis verhindert werden könne, habe sich die Sache gelohnt, ergänzt Stefanie Jansen, die Leiterin des Jugendamts des Rhein-Neckar-Kreises. Eltern, die ihre Sprösslinge in die Hände von Vereine geben, sollten sich sicher sein, dass der Nachwuchs ein Umfeld vorfindet, in dem der Schutz von Kindern und Jugendlichen ein Qualitätsmerkmal darstellt.

Heidelberger Nachrichten vom Mittwoch, 22. Juli 2015,