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12.10.2016: Sport nach Krebs verbessert Lebensqualität - Infoveranstaltung im Racket-Center Nußloch

Dr. Antje  Reinhardt, Ärztin und Sportwissenschaftlerin , GUS-Mitgegründerin bei ihrem Vortrag

"Sport und Krebs" - bei der Veransllatung im Racket -Center Nußloch informierten der Sportkreisvorsitzende Gerhard Schäfer,  der Mediziner Dr. Joachim Wiskemann, MLP-Gründer Manfred Lautenschläger, Geschäftsführer Matthias  Zimmermann vom Racket-Center und Helmut Müller, Krafttrainer im Olympiastützpunkt in Heidelberg, das Publikum. (Fotos: Karin Katzenberger-Ruf)

(Von Karin Katzenberger-Ruf). Chronische Müdigkeit - auch "Fatigue" genannt - wird für Krebskranke nach Chemotherapie oder Bestrahlung oft zum Problem, weil sie sich zu gar nichts mehr aufraffen können. Oder geht da doch noch was? Vielleicht wenn andere von ihren Erfahrungen mit "Sport und Krebs" berichten? So war das jetzt im Racket-Center Nußloch, wo der Verein "Rehasport ProAktiv" ein vielfältiges Kursprogramm anbietet. Bei einer Informationsveranstaltung vor Ort, die der Sportkreis Heidelberg unter Leitung von Gerhard Schäfer und in Kooperation mit Racket-Center-Geschäftsfführer Matthias Zimmermann organisierte, stellte Dr. Joachim Wiskemann vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NTC) Heidelberg wissenschaftliche Studien vor, die belegen, dass Menschen in Bewegung nach einer Krebserkrankung eine höherer Überlebenschance haben. Was da genau Wirkung zeigt, ob es vielleicht einfach die wieder gewonnene Lebensqualität ist, ist nicht genau nachweisbar. Wohl aber, dass sportliche Betätigung wie Krafttraining gut gegen Gelenkschmerzen ist, die Knochendichte verbessert und die Nebenwirkungen von Behandlungen leichter erträglich macht. Um die gewünschten physischen und psychischen Effekte zu erzielen, werden etwa zweieinhalb Stunden Sport pro Woche empfohlen. Ein "Promi", der als 41-Jähriger an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte, ist MLP-Gründer Manfred Lautenschläger. Das war 1980 und die Operation wäre damals noch mit einem achtwöchigen Krankenhausaufenthalt verbunden gewesen, wenn der Patient nicht schon nach zweieinhalb Wochen darauf gedrängt hätte, entlassen zu werden. Lautenschläger war damals bereits dreifacher Familienvater und mit dem Aufbau seines Unternehmens beschäftigt. Seine Bauchschmerzen hatte er seiner Schilderung nach so lange ignoriert, bis sie kaum noch erträglich waren. Da hatten sich in seinem Körper bereits vier Liter Galle angesammelt, weil der Tumor den Gallengang verschlossen hatte. "Ich hatte den besten Operateur und Riesenglück, weil der Tumor noch nicht gestreut hatte und ich weder Chemotherapie noch Bestrahlung brauchte" sagte er rückblickend. Die Überlebenschance war dennoch gering. Er sei allerdings stets optimistisch geblieben und habe sich schon bald wieder auf`s Rennrad gesetzt. "Ich will weiter leben" sagte er seiner Frau Angelika beim Urlaub in Südfrankreich und setzte mit dem Wunsch nach einem vierten Kind noch eins drauf. Dass es letztendlich sogar fünf Sprösslinge wurden, ist nochmals eine andere Geschichte und hat damit zu tun, dass Diabetes in Folge einer OP nicht zeugungsunfähig machen muss. Manfred Lautenschläger ist das beste Beispiel dafür. "Entwickeln Sie ein Gefühl für Ihren Körper" riet er den Gästen der Informationsveranstaltung. Als zweiter von Krebs Betroffener trat Helmut Müller vor das Publikum. Er ist Krafttrainer im Olympiastützpunkt, motiviert normalerweise Athletinnen und Athleten zu Höchstleistungen und hat nun den Kampf gegen seinen Darm- und Bauchfellkrebs aufgenommen. Mit künstlichem Darmausgang muss er inzwischen nicht mehr leben, doch der Krebs des Bauchfells gilt als nicht heilbar. Müller hat seinen Angaben nach schon am Krankenbett Kniebeugen gemacht und absolviert momentan täglich eine Stunde Krafttraining. "Der Kopf entscheidet alles, wenn der weich wird, bist du tot", lautete seine Botschaft. Seit über 30 Jahren gibt es den Verein für Gesundheitssport und Sporttherapie Heidelberg (GUS). Dessen Angebot stellte die Mitbegründerin, Ärztin und Sportwissenschaftlerin Antje Reinhardt vor. Neben Kursen zwischen Wasser- und Wirbelsäulengymnastik ist dort Sport in der Krebsnachsorge ein Thema. Dieses Angebot eignet sich für alle, die neben körperlicher Betätigung auch die Geselligkeit zu schätzen zu wissen. Außer dem Sport kann nämlich auch menschliche Wärme heilsam oder zumindest schmerzlindernd sein.