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4.11.15 Infoseminar Sportkreis und Sportjugend: Kinder- und Jugendschutz im Sportverein

Das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises hat bereits viele Sportvereine zur Vereinbarung §72a Sozialgesetzbuch (SGB VIII) angeschrieben: Das erweiterte Führungszeugnis soll durch die neue gesetzliche Regelung als Instrument zur Prävention sexualisierter Gewalt fest - in den Sportvereinen - etabliert werden. Mit der Vereinbarung gehen die Vereine die Verpflichtung ein, dafür zu sorgen, dass Menschen mit entsprechenden Vorstrafen nicht mehr in den Kontakt mit Kindern und Jugendlichen kommen.

Dazu sollen die Vereine von Hauptamtlichen sowie von Ehrenamtlichen erweiterte Führungszeugnisse anfordern und einsehen, wenn bestimmte Bedingungen beim sportlichen Miteinander zutreffen, z.B. bei einer Jugendfreizeit mit Übernachtungen. Damit die neue Regelung mit der Vorlage von erweiterten Führungszeugnissen nicht das einzige Instrument zur Prävention sexualisierter Gewalt in Sportvereinen bleibt, haben Sportkreis und Sportkreisjugend Heidelberg Referenten mit ausgewiesener Expertise zu dem Thema Prävention sexualisierter Gewalt für eine Infoveranstaltung am 4.11. gewinnen können. Eine ähnliche Veranstaltung hat bereits der Sportkreis Sinsheim angeboten. 

Tanja Kramper, Kriminalhauptkommissarin im Referat Prävention des Polizeipräsidiums Mannheim, Alexandra Müller, Bildungsreferentin der Badischen Sportjugend und Volker Schuld, Psychologe und Leiter des Kinderschutz-Zentrums in Heidelberg informierten über 30 Vereinsvertreter, welche Hilfsangebote bestehen, aber auch, wie Kindeswohlgefährdung erkennbar wird. Denn Gewalt gegen Kinder verläuft von Vernachlässigung bis hin zum sexuellen Missbrauch in einem graduellen Prozess, so Volker Schuld. Vereine können dabei unterschiedlich betroffen sein, denn Kinder mit Gewalterfahrung können Teilnehmer sein, Betreuer können Grenzen verletzten, Täter können gezielt Kontakt zu Kindern suchen, auch  Abläufe können Grenzen verletzten, wenn z.B. gemischt geduscht wird und Kinder und Jugendliche können sich gegenseitig misshandeln.

Frau Kramper ging auch auf die Statistik zum sexuellen Missbrauch ein: Betroffen ist etwa jedes 4.-5. Mädchen und jeder 9.-12. Junge bis zum 18. Lebensjahr. Dabei kommen 70% der Täter aus dem familiären oder näheren familiären Umfeld, wobei die Täter überwiegend Männer sind. 120 Fälle sind im vergangenen Jahr im Polizeipräsidium Mannheim aktenkundig geworden. Darüberhinaus gibt es ein hohes Dunkelfeld, so die Kriminalhauptkommissarin, die selbst im Sportverein aktiv ist.

 

Gerade die institutionelle Faktoren im Sport, wie Nichtbeachtung oder Tabuisierung der Thematik, geringe Kontrolle von Trainer/-innen durch Vereine und Verbände, häufig fehlende Definitionen zur geforderten Eignung von Vereinsmitarbeiter/-innen und geringe Transparenz in der Vereinsarbeit, können sexualisierte Gewalt in Sportvereinen begünstigen , so Frau Kramper. Daraus ist die Verpflichtung für ein Präventionskonzept in Vereinen folgerichtig, so waren sich alle Referenten einig.

 

Aber was kann ein Verein konkret machen? Darauf ging die Bildungsreferentin der Badischen Sportjugend Alexandra Müller ein: Sie unterschied dabei die Leitungsebene im Verein, die neben einer Verankerung des Themas in der Satzung, vor allem die Benennung von Vertrauenspersonen sowie die allgemeine Sensibilisierung zum Thema im Verein empfahl. Auf der Ebene der Übungsleiter riet sie den Ehrenkodex und regelmäßige Schulungen zum Standard zu machen. Auch bei Eltern und Kinder solle angesetzt werden und dort über Rechte und Regeln aufgeklärt werden. Alle Referenten betonten einmütig, dass es vor allem Kinder und Jugendliche mit Selbstbewusstsein sind, die sich gegen Missbrauch wehren können. Dies sei normalerweise in Sportvereinen die Regel. Verstärkt werden könne der Effekt über gesonderte Projekte oder über die Trainer-/innen, die sich dessen bewusst sind und diese Aufgabe als wesentlichen Baustein in der Vereinsarbeit betrachten.

In der abschließenden Fragerunde konnten die Vereinsvertreter ihre Fragen zur Vereinbarung, die über das Jugendamt des Kreises verschickt wurden, direkt an Frau Weiß richten, die derzeit Ansprechpartnerin beim Rhein-Neckar-Kreis zu diesem Thema ist. Bei Fragen steht grundsätzlich allen Sportvereinen im BSB auch  Thorsten Väth von der Badischen Sportjugend zur Verfügung:  Tel. 0721-1808 19, t.vaeth@badische-sportjugend.de