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Ritzhaupt hat viele Menschen bewegt - Abschied vom Mitbegründer des Heidelberger Halbmarathons

Die Trauerfeier für einen ganz besonderen Menschen geriet besonders ergreifend. Einige hundert Menschen hatten sich am 21. Oktober 2016, als auch der Himmel weinte, in und vor der Aussegnungshalle des Handschuhsheimer Friedhofs versammelt, um sich von ihrem Freund, dem bedeutenden Läufer und hoch kompetenten Leichtathletik-Funktionär Gerhard Ritzhaupt, zu verabschieden. Der verdiente „Förderer des Sports der Stadt Heidelberg“ war am 11. Oktober wenige Stunden nach einem Fitnesstraining im Schwimmbad überraschend im Alter von 82 Jahren verstorben.

Gerhard Ritzhaupt stammt aus einer Bäckerfamilie und hat als Elfjähriger den Einzug der amerikanischen Truppen in Heidelberg erlebt und die Kugeln während eines letzten Gefechts pfeifen hören. Die Wehrmachtssoldaten hatten sich an der Uni-Bibliothek verschanzt, die Amerikaner waren bis zum Hölderlin-Gymnasium vorgerückt, als der kleine Gerhard und seine Spielkameraden ihr Fußballmatch abbrachen und in den Luftschutzkeller krochen. „Der SV Plöck, eine Straßenfußball-Mannschaft, war Gerhards erste Vereinsgründung. Er gab sogar eine Vereinszeitung heraus, so kommunikativ war er schon damals“, sagte Heidelbergs Sportkreisvorsitzender Gerhard Schäfer über einen Weggefährten, der im Sport trotz seiner individuellen Klasse als 400-m-Läufer mit damaligen badischen Rekorden und noch heute gültigen Vereinsbestzeiten immer eine Gemeinschaftsaufgabe erkannte und sich entsprechend für andere engagierte. „Er betrachtete die TSG 78 Heidelberg, in der ich ihn 46 Jahre lang begleiten durfte, stets als Familie, ohne seine eigene Familie zu vernachlässigen“, erläuterte der TSG-Vorsitzende Rainer Römer. Gerhard Ritzhaupt (Foto: Pfeifer) hinterlässt seine Ehefrau Hilde, der er – so Pfarrer Dr. Gunnar Garleff von der Friedenskirche – bei einem Landesturnfest begegnet war, zwei Kinder und vier Enkel. „Er war gerne Papa und Großvater“, sagte der Pfarrer. Pianist Anton Ritzhaupt spielte dem Opa zu Ehren den „Berlin Song“ des Turiner Komponisten Ludovico Einaudi. Der Orchesterverein Handschuhsheim spielte das „Sanctus“ aus dem Te Deum und „Time to say Goodbye“, und die Handschuhsheimer „Sängerknaben“ unter der Leitung des namhaften Liederkranz-Dirigenten Martin Hornig berührten mit „In einem kühlen Grunde“ von Joseph von Eichendorff und dem Choral „Näher, mein Gott zu dir“ die Herzen der Trauergäste. Ritzhaupt war in vielen Vereinen heimisch, die ihm nun dankten. Jahrzehnte wirkte Gerhard Ritzhaupt als Leichtathletik-Abteilungsleiter der TSG 78 und rief Sportfeste ins Leben, die in bester Erinnerung sind: Das Abendsportfest, „Jugend trainiert für Olympia“ und den Borg-Warner-Cup im wundervollen Sportpark am Zoo, und – die Krönung der Lebensleistung eines ebenso erfinderischen wie durchsetzungsstarken und peniblen Buchhalters, Prokuristen und ehrenamtlichen Sportfunktionärs – den Heidelberger Halbmarathon, der sich zu einem sportlichen Wahrzeichen seiner Heimatstadt entwickelt hat. „Gerhard hat viele Menschen zum Sport treiben motiviert und bewegt“, würdigte Gerhard Schäfer den Verstorbenen, der von 1985 bis 2009 als sachkundiger Bürger im Sportausschuss der Stadt die Oberbürgermeister Reinhold Zundel und Beate Weber beraten hatte. Claus-Peter Bach (RNZ, 22./23. 10. 2016)