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Sportkreis Heidelberg: Liam Bartels und Rama Aithal als Sportmittler für Integration aktiv

Die Sprache des Sports versteht fast jeder. Er vermittelt Regeln und Werte wie Fairplay, dient dem Aggressionsabbau und dem Miteinander. Nicht wenige sehen deshalb im Sport ein ideales Mittel zur Integration von Flüchtlingen. Die Frage ist nur: Wie kommen die Vereine und die Menschen aus verschiedensten Kulturen und Sprachräumen zusammen?

Rama Aithal, Liam Bartels (v.l.)

Im Jahr 2016 wurden viele Projekte gestartet, die eben dieses Ziel verfolgen, z.B. Weltliga-Fußball, was Menschen aus der ganzen Welt die Möglichkeit gibt, jede Woche zusammen Fußball zu spielen oder Schwimmkurse für geflüchtete Kinder. Insgesamt sind 26 Projekte mithilfe von Landes- oder Bundesmitteln entstanden. Viele geflüchtete Menschen haben sich Vereinen angeschlossen, was zu einer vertrauensvollen und dauerhaften Integration führen kann.

Diese Projekte sind dank enger Kooperation zwischen Sportvereinen, Behörden, Firmen, der Stadt Heidelberg, dem Rhein-Neckar-Kreis sowie vielen anderen Städten und Organisationen entstanden.

Das Ziel ist jedoch, noch weiter zu machen, die vielen einzelnen Initiativen noch besser zu verzahnen, Flüchtlinge und Sport noch enger zusammenzubringen. Vorstellbar ist das z.B. über einen (Hallen-) Sporttag, der schon einmal in Heidelberg stattgefunden hat: Vereine konnten ihre Sportarten präsentieren, Flüchtlinge ausprobieren, was sie vielleicht noch nicht so kennen, ihnen aber Spaß macht und Fragen stellen. Sportvereine suchen häufig neue Spieler und vielen Menschen, die neu in einem fremden Land sind, kann die Integration in eine Mannschaft geben, was zu Hause das familiäre Umfeld bietet: Freundschaft, zwischenmenschlicher Austausch, Zugehörigkeit und Verantwortungsgefühl. Durch die gemeinsame Sprache des Sports treten kulturelle und sprachliche Unterschiede erst einmal in den Hintergrund, man baut schnell Vertrauen auf, was langfristig die gesellschaftliche Integration erleichtert.

Im Moment arbeiten zwei Sportmittler im Sportkreis Heidelberg an dieser Verzahnung. Rama Aithal ist seit Februar 2016 dabei. Wie es ist, wenn man in ein zunächst fremdes Land kommt, weiß er aus eigener Erfahrung. „Ich bin Rugbyspieler und im Vorstand des SC Neuenheim. Geboren wurde ich in Indien. 1970 kam ich nach Heidelberg, machte am Bunsen-Gymnasium das Abitur, studierte BWL in Mannheim, arbeitete bei BBC, ABB und Bombardier, inzwischen bin ich selbstständig und in meiner Freizeit neben verschiedener Tätigkeiten im Zusammenhang mit dem Rugbysport der Sportmittler im Sportkreis Heidelberg. Ich will die Brücke schlagen zwischen den Sportvereinen, die Fragen haben, und den Fragen der Menschen, die ganz andere Probleme und Interessen haben und wissen wollen, wo sie hingehen können.“

 

Im November 2016 ist Liam Bartels dazugekommen: „Ich bin 2007 aus den USA nach Deutschland gekommen, um hier zu studieren und in meiner zweiten Woche in Heidelberg beim Sportverein RGH als Rugbyspieler eingestiegen. Da mein Studiengang International Relations auf English war, habe ich mit meinen neuen Unifreunden hauptsächlich Englisch gesprochen. Beim Rugby  war die Kommunikationssprache Deutsch (bzw. Kurpfälzisch), wodurch ich die Möglichkeit hatte, die Sprache zu lernen und mich somit nach und nach in die Heidelberger Gesellschaft einzubringen.¨Sport verbindet¨ sind für mich also nicht nur leere Worte, sondern meine persönliche Erfahrung mit erfolgreicher Integration in Deutschland.“

Um die Arbeit mit 424 Sportvereinen im Sportkreis Heidelberg und Menschen in 20 verschiedenen öffentlichen und vielen privaten Unterkünften übersichtlicher zu gestalten, haben die beiden Sportmittler das Gebiet aufgeteilt. Herr Aithal ist hauptsächlich für den Norden Heidelbergs sowie den nordöstlichen Rhein-Neckar-Kreis verantwortlich. Herr Bartels ist der Hauptansprechpartner für den Süden Heidelbergs sowie den südwestlichen Rhein-Neckar-Kreis. Da viele Projekte in Heidelberg übergreifend angeboten werden, arbeiten sie jedoch eng zusammen. 

Wie bei allen neuen Projekten bedarf es aber auch hier Geduld, gerade wenn es z.B. um Sport von Frauen geht, den es in manchen Kulturen schlicht nicht gibt. Da lassen sich die Denkweisen nur Schritt für Schritt verändern, aber Möglichkeiten dazu gebe es auch, etwa über ein Frauenschwimmen, wie es samstags in Heidelberg für Musliminnen und Einheimische angeboten wird oder einen Kurs zum Radfahren lernen. Einig sind sich alle Vertreter, dass in der Integration auch eine Chance liegt. All diese Projekte helfen nicht nur den Flüchtlingen, sondern auch den Vereinen, und der demografische Wandel setzt auch bei uns ein. Die Vereine sind froh um neue Mitglieder.