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"Wir können mit persönlichem Einsatz eine bessere Welt mitgestalten" - Im Sportkreis Heidelberg werden Inklusion und Integration tagtäglich in vielen Vereinen und Projekten verwirklicht

„Das Leben muss rückwärts verstanden, aber vorwärts gelebt werden“, stellte der dänische Religionsphilosoph Soeren Kierkegaard vor 150 Jahren fest. Wenn diese Lebensweisheit auch heute noch gilt, lohnt sich ein Rückblick durch die „Sportkreisbrille“ auf das ereignisreiche Jahr 2016.

Gerhard Schäfer, Vorsitzender des Sportkreises

Von Gerhard Schäfer, Vorsitzender des Sportkreises

Beim Landesportverband Baden-Württemberg (LSV) und im Badischen Sportbund Nord (BSB) vollzogen sich personelle Änderungen in der Führung. Erstmals in der Geschichte des Landesportverbandes (LSV) repräsentiert mit Elvira Menzer Haasis als Nachfolgerin von Dieter Schmidt-Volkmar eine Frau den baden-württembergischen Sport.

Auch der BSB-Sportbundtag in Wiesloch Wählte eine neue Führung. Nach der wegweisenden Dekade von Heinz Janalik (Mosbach) übernahm Dr. Martin Lenz (Karlsruhe) als Präsident die sportpolitische Verantwortung für die Vereine. Bei beiden Wahlen gab es respektable Gegenkandidaten, ein erfreuliches Zeichen gestiegenen Demokratieverständnisses .

Der Sportkreistag in Walldorf war gut besucht. Das Kernteam wurde um den stellvertretenden Vorsitzenden Uwe Hollmichel bereichert. Auch neue Ressortleiter kamen hinzu: Für den Seniorensport ist es Dr. Christoph Rott, deutschlandweit bekannt für die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis. Mit seinem einfachen Test kann jede ältere Person feststellen, wie fit sie noch ist, und dann im Sportverein aktiv werden. In diesem Zusammenhang fand im Racket-Center Nußloch eine Einführung in das Thema „Sport und Krebs“ statt. Dabei ging es um Erkenntnisse aus dem Netzwerkverein „Onko Aktiv“ im Nationalesn Tumor-Zentrum (NCT) über die positiven Auswirkungen von Sport und Bewegung während und nach der Krebstherapie. Mäzen Manfred Lautenschläger und  Helmut Müller vom Olympiastützpunkt Rhein-Neckar berichteten von ihren Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit dieser Krankheit. Auf Landesebene wurde der ONKO Aktiv e.V. mit dem“ Silbernen Stern“ der Volks- und Raiffeisenbanken ausgezeichnet.

Für die Leitung des Ressorts Integration konnte Ramachandra Aithal gewonnen werden, der als „Sportmittler“ das Zusammenwirken von Kommunen und Sportvereinen in der Betreuung von Geflüchteten koordiniert. Mittlerweile laufen auf Sportkreisebene 30 „Mikroprojekte“, die sich um Geflüchtete kümmern (ohne andere Bedürftige zu vernachlässigen). Es gibt in der Region sicher weit mehr als die uns bekannten Projekte. 2017 stehen wieder jeweils bis zu je 1000 Euro für diese Projekte zur Verfügung.  Darüber hinaus kümmert sich Liam Bartels als Sportmittler mit einem Schwimmkurs um unbegleitete minderjährige Asylsuchende  und wird Rama Aithal unterstützen.

Heiko Striehl , unser Ressortleiter für die Inklusion,  gibt Kindern mit seinem Projekt „Rollstuhlrugby macht Schule“ die Möglichkeit, sich in die Situation eines Behinderten zu versetzen. Integration und Inklusion sind die Themen, die beim „Bautzener Frühling“ im Mai 2017 in der sächsischen Partnerstadt Bautzen vorgestellt werden. Diese Partnerschaft besteht seit mehr als 25 Jahren. Seit 55 Jahren sind Montpellier und seit 50 Jahren Vichy Partnerstädte, mit denen wir einen Jugendaustausch betreiben. Neu ist San Francisco dazu gekommen. Die Sportkreisjugend um Ralph Fülop ist nicht nur in diesem Bereich auf einem sehr guten Weg.

Die internationalen Sportereignisse  wie die Handball-EM in Polen mit Deutschland als überraschendem Europameister oder die Fußball-EM in Frankreich mit dem Sieger Portugal , aber vor allem die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro offenbarten erneut die Ambivalenz des Spitzensports. Auf der einen Seite spektakuläre Leistungen und überragende Ergebnisse, auf der anderen Seite Dopingpraktiken, die zum Ausschluss von Aktiven führte. Mir ist es aber zu kurz gegriffen, wenn nur Russland am Pranger steht. In vielen Ländern ist, vor allem wenn es um viel Geld und Prestige geht, die Gefahr groß, dass unerlaubte Praktiken ausgeübt werden. Gleichzeitig sollen auch in Deutschland mit immer weniger Förderung immer mehr Medaillen gewonnen werden. „Wir werden in großer Geschlossenheit daran arbeiten, dass die Mehrzahl der Deutschen die liebenswürdige Seite unserer ‚Sportdeutschlandmedaille’ erkennt.“ Hoffentlich werden diesen Worten des DOSB- Präsidenten Alfons Hörmann endlich Taten folgen!

Im Mittelpunkt der Sportkreisarbeit und seiner Vereine stehen neben Wettkampfsport  die Gesundheit und Lebensfreude,  aber auch die Förderung von sozialem Verhalten und der Einbindung der verschiedenen Generationen.

Mit der Einweihung des „alla-Hopp-Parks“ in Heidelberg wurden 15 von 19 Anlagen in der Metropolregion in Betrieb genommen, die genau diesen Zielen dienen.

Im „Sport vereint“- ebenfalls ein Konzept der Dietmar-Hopp-Stiftung- werden Vereine unterstützt, die generationsübergreifende Aktionen starten.

Das Projekt „Sportverein 2020“ fördert zahlreiche Vereine in der Vorbereitung auf die nächste Zukunft.

Mit dem Sport Award der Sportregion Rhein-Neckar wurden erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler ausgezeichnet, die in Rio bei den Olympischen und Paralympischen Spielen  die Metropolregion Rhein-Neckar repräsentiert heben. Aber auch für den Alltagssport wurden Anerkennungen ausgesprochen. Aus dem Sportkreis wurden die „Wieslocher Wiesel“ mit einer Trophäe geehrt. Handballer der TSG Wiesloch spielen gemeinsam mit geistig und körperlich Behinderten. Das ist wirklich gelungene Inklusion!

Um den Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis der Stadt Heidelberg im Schwerpunkt Sport bewarben sich immerhin zwölf Vereine mit kreativen und praktikablen Vorschlägen und Lösungen. Beim Umweltpreis Baden-Württemberg gab es in der Kategorie “Non-Profit,–Unternehmen“ einen Überraschungssieger: Die TSG Rohrbach, die Ökologie nicht nur in ihrem Leitbild verankert hat, sondern  auch glaubhaft umsetzt.

Die Großsporthalle in Heidelberg wird kommen. Der Gemeinderat gab grünes Licht. Eine Halle für bis zu 5000 Besuchern, die auch für den Schulsport genutzt werden kann, macht Sinn für das Oberzentrum Heidelberg. Der Wunsch nach einem „Haus des Sports“, in dem auch der Sportkreis sein Domizil hat, erfüllt sich hoffentlich in nicht allzu weiter Ferne.

Womit wir schon bei den Aussichten für 2017 sind:

Die Qualität der Übungsleiter ist der Maßstab jeder gelungenen Vereinsarbeit. Deshalb ist es folgerichtig, wenn die Bildungsangebote stetig verbessert werden. Dass die Übungsleiterpauschale mit dem Solidarpakt III auf Landesebene nach mehr als 30 Jahren auf 2,50 Euro für bis zu 200 Stunden erhöht wurde, war lange überfällig. Die Stadt Heidelberg hat sich dem mit Zustimmung des Gemeinderats angeschlossen.

Der Sportkreis hofft, dass die Kommunen im Kreis dieser Aufstockung auch folgen werden.

Welche Termine stehen an ?

Die Metropol-Cups im Fußball - im Januar in Worms und Rauenberg -  sind ebenso fester Bestandteil wie der Metropol-Cup im Handball im September in Wiesloch.

Das „Schaufenster des Sports“ wird erstmals am 9.Juli  im neu eingeweihten   „alla Hopp-Park“ beim Sportzentrum Süd am über die Bühne gehen . Hier wird sich die ganze Bandbreite sportlicher Aktivitäten von Eberbach über Heidelberg bis Wiesloch und Walldorf präsentieren.

Es gibt eine These, die lautet: „Die Zukunft des Sports ist die Arbeit!“ Hintergrund ist die Erkenntnis, dass immer mehr „sitzende“ Arbeit ansteht. Hier liegen die größten noch ungenutzten Ressourcen, um Lebensqualität über Sport und Bewegung merklich zu erhöhen.

Von Dr. James O'Keefe , einem amerikanischen Autor und Kardiologen, liegen Studien aus Medizin, Ernährung und Bewegung vor, die darauf verweisen, dass moderate, nicht extreme Anstrengungen sowohl am Arbeitsplatz als auch im Sport angemessen sind. Weil unsere Ernährungsbedürfnisse noch aus prähistorischer Zeit stammen, müsse sich unser Lebensstil diesen genetischen  Voraussetzungen anpassen. Die Urzeitmenschen mussten sich rund 30km am Tag bewegen,  biegen, heben, tragen, schwimmen und klettern, um zu überleben. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als sich an diese Lebensweise, die unseren Körper geprägt hat, zu erinnern.

Warum nicht im Sportverein ?

Rückblick und Ausblick zeigen viele positive Fakten unserer Sportgesellschaft. Im postfaktischen Zeitalter spielen aber vor allem negative Gefühle eine übergroße Rolle.

Nur ein Drittel der Deutschen, so eine Umfrage, sieht dem kommenden Jahr hoffnungsvoll entgegen.

Der Optimismus früherer Tage ist nicht mehr up to date.

Heutzutage herrschen vielfach Unsicherheit und Enttäuschung vor.

Verroht unsere Gesellschaft weiter? Täuscht der Eindruck, dass Treiben und Getrieben-werden geradezu Kult geworden sind? „Bin gerade wo ganz anders!“ lautete eine Überschrift in der Rhein-Neckar-Zeitung, die Ablenkungsmöglichkeiten der Neuzeit benennt. Vielleicht hilft eine neue Entdeckung der Langsamkeit?

„Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“. So lautet ein geflügeltes Wort, das wahlweise Karl Valentin oder Mark Twain zugeschrieben wird.

Die Zukunft ist dann lebenswert, wenn wir nicht nur bei anderen die Schuld suchen, sondern mit persönlichem Einsatz eine bessere Welt, wenn auch in kleinen Schritten, mitbestimmen und mitgestalten.

Zum Schluss sei allen Menschen, die in organisatorischen oder sportlichen Bereichen Aufgaben übernommen haben oder übernehmen werden, an ein herzlicher Dank ausgesprochen - besonders denjenigen, die für den Sportkreis und in seinen 415 Vereinen engagiert am Werk sind - verbunden mit dem Wunsch für ein friedliches und gesundes Jahr 2017.