20 Jahre Sportkontakte zwischen Heidelberg und Bautzen
1989 war das Jahr der Wende. Als Peter Schmidt aus Bautzen im Sommer diesen Jahres Verwandte in Heidelberg besuchte und sich bei dieser Gelegenheit beim damaligen Sportkreis-Vorsitzenden Heinz Brehm nach Sportkontakten erkundigte, konnten beide nicht ahnen, dass...
...sich ein paar Monate später die Zusammenarbeit zwischen Heidelberg und Bautzen festgeschrieben wurde und dynamisch entwickelte.
Der Mauerfall war für den damaligen Vorsitzenden des Heidelberger Stadtjugendrings Gerhard Schäfer zusammen mit seinen Mitstreitern Dr. Andreas Horn und Karlheinz Lösch, Anlass, Anfang Januar 1990 nach Dresden aufzubrechen, um in Sachsen nach einer geeigneten Stadt zu suchen, mit der Jugendaustausch-Begegnungen gestartet werden konnten.
Sie besuchten am 5.Januar Bautzen, eine Stadt ganz im Osten mit dem zweifelten Ruf des Gefängnisses „Gelbes Elends“ und „Bautzen 2“ (für politische Gefangene), aber auch einem Altstadtkern mit zahlreichen Barockhäusern, die allerdings zum größten Teil kurz vor dem Verfall standen und zu Gunsten von Plattenbauten ersetzt werden sollten.
Nach ihrer Rückkehr berichtete die Delegation Oberbürgermeister Reinhold Zundel von den Möglichkeiten einer Altstadtsanierung. In Anwesenheit der Fraktionsvorsitzenden wurde darauf hin der Beschluss gefasst, mit Bautzen eine Partnerschaft einzugehen, die neben der Unterstützung beim Aufbau neuer Verwaltungsstrukturen und der Beratung in Sachen Altstadtsanierung auch ein Jugendaustauschprogramm mit dem Schwerpunkt Sport beinhaltete.
Erste gemeinsame Aktion im Februar: Besuch zweier Jugendmannschaften aus Heidelberg und Bautzen in Montpellier anlässlich des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland.
Nach Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags zwischen Oberbürgermeister Christian Schramm aus Bautzen und der neuen Heidelberger Oberbürgermeisterin Beate Weber entwickelten sich die sportlichen Begegnungen in ungeahnter Vielfalt, wobei die Bautzener Teilnehmer in die internationalen Kontakte der übrigen Heidelberger Partnerstädte mit einbezogen wurden. Die Heidelberger Jugendlichen sollten im Gegenzug den Osten kennen lernen. Was lag deshalb näher, als die Kontakte zu Bautzens Partnerstädte in Polen (Jelenia Gora- das ehemalige schlesische Hirschberg) und in Tschechien mit Jablonec nad Nisou (Gablonz an der Neiße) zu nutzen, um auch künftige Mitglieder der EU mit einzubeziehen und den Horizont der bis dahin nur westlich orientierten Jugendlichen und Erwachsenen zu erweitern.
So begannen ab 1994 die Internationalen Sport-Jugendbegegnungen reihum in den erwähnten Städten bis zum heutigen Zeitpunkt.
Auf einer anderen Ebene trafen sich Sportfachleute aus Heidelbergs Partnerstädtern zu Sportsymposien. Auch hier ging es – wie bei den übrigen regelmäßigen Kontakten zwischen den Dachorganisationen des Sports- um Gedankenaustausch und Vorstellung von Modellen und Projekten, die sich in den Sportvereinen und in der Sportverwaltung durchgesetzt hatten.
Im Jahr 2001, als sich der Partnerschaftsvertrag zwischen beiden Städten zum zehnten Mal jährte, wurde in einer Erklärung die Zusammenarbeit auf der sportlichen Ebene bekräftigt und im Bereich der Soziale Jugendarbeit, der Weiterentwicklung des Seniorensports, den Internationalen Sportbegegnungen und Sportsymposien, der stetigen Entwicklung der Sportförderprogramme sowie dem Thema Sport und Umwelt festgeschrieben.
Für die nunmehr zwanzigjährigen Beziehungen stellte der Ehrenvorsitzende im Sportkreis Heidelberg e.V. eine informative Broschüre zusammen, die alle wichtigen Schritte dieser beiden Jahrzehnte in Schrift und Bild manifestiert.
Eine kleine Heidelberger Delegation unter Führung des Sportkreisvorsitzenden Gerhard Schäfer und in Begleitung von Amtsleiter für Sport und Gesundheitsförderung der Stadt Heidelberg, Gert Bartmann, übergab im Rathaus von Bautzen an Oberbürgermeister Christian Schramm und Finanzbürgermeister Michael Böhmer, zu dessen Ressort der Sport gehört, die ersten Exemplare.
Heinz Brehm konnte krankheitsbedingt an der Reise leider nicht teilnehmen.Anwesend auch Hubertus Klaus , der Leiter des Amtes für Bildung und Soziales , der zuverlässig die Verbindung zwischen den Partnerstädten am Leben erhält.
Mit dabei waren die Männer der ersten Stunde: Ehrenpräsident Peter Schmidt und Geschäftsführer Winfried Wockatz, sowie der neue Präsident des nach der Verwaltungsreform großen Sportbundes Bautzen, Thorsten Pfuhl und Geschäftsführer Rene Dasler. Zum „Sportbund Bautzen“ gehören nun die Bereiche Hoyerswerda und Kamenz mit
insgesamt 400 Vereinen, 50 Sportarten und 43.000 Mitgliedern, wie die Delegation in einem intensiven Arbeitsgespräch erfuhr. Sieben Hauptamtliche und weitere Mitarbeitern und FSJ-lern gestalten die umfangreiche Aufgabenpalette, finanziert vom Land Sachsen und dem Landkreis Bautzen. Für die Heidelberger Vertreter eine personelle Ausstattung, die sie mit einem gewissen Neid als vorbildlich anerkennen mussten.
Beim Festabend in den Räumen des Deutsch-Sorbischen Volks Theaters zeigten Hubertus Klaus und Gunthart Symmank mit „ Bildern von gestern und heute“, was und wie sich in Bautzen seit 1989 unglaublich vieles zum Positiven verändert hat.
Neben den offiziellen Teilen hatte die Heidelberger Delegation bei ihrem fünftägigen Aufenthalt die Gelegenheit, die Oberlausitz mit Zittau und per Dampfeisenbahn Oybin zu „erfahren“ und lernten die deutsch-polnische Grenzstadt Görlitz u.a. mit der Sonnenorgel kennen Krönender Abschluss war der Besuch des neu eröffneten Grünen Gewölbes in Dresden. Im Sinne der „Anerkennung des Ehrenamtes“ hatte die Heidelberger Delegation 20 im Sport engagierte Bautzener hierzu extra eingeladen.
Auf die Zukunft ausgerichtet wurde vereinbart, nicht nur im ehrenamtlichen Bereich weiterhin zusammen zu arbeiten, sondern sich auch auf hauptamtlicher Ebene regelmäßig auszutauschen. Die nächste Gelegenheit hierzu sind in Heidelberg die Sportlerehrungen im ersten Halbjahr 2010 und das geplante Sportsymposion über „Zukunftsmodelle des Sports“ im Herbst desselben Jahres.

