Sportkreis-Vorstand ist jünger und weiblicher

Von Claus-Peter Bach (aus RNZ vom 8. April 2019) Heidelberg. Wer am Samstagmorgen den Sportkreistag des Sportkreises Heidelberg besuchte, konnte Ohrenzeuge einer witzigen Bemerkung werden, die auf den vorderen Stuhlreihen unter den Ehrengästen kursierte: „Das ist hier ja wie in der Volkskammer der DDR“, hieß es da, nachdem sämtliche Entscheidungen der Delegierten aus 143 versammelten Vereinen, die gemeinsam 999 Stimmen hatten, ohne jede Gegenstimme und ohne Enthaltung getroffen worden waren.

DDR-Verhältnisse sind freilich das Letzte, was sich der Sportkreis-Vorsitzende Gerhard Schäfer für die nächsten drei Jahre wünschen würde. Der 71-jährige ehemalige Lehrer am Bunsengymnasium, der seit 1995 als Vorsitzender des Sportkreises mit rund 130 000 Mitgliedern in 430 Vereinen amtiert, wurde mit großem Beifall im Amt bestätigt und wird nun mit dem ihm eigenen Schwung in seine neunte Amtsperiode durchstarten. 

„Solange ich gesund bin und meine Ehefrau Adelheid mich unterstützt, mache ich das gerne“, sagte Schäfer und ist natürlich glücklich, dass die behutsame Verjüngung des Vorstandes gut gelungen ist, alle Posten mit fähigen Menschen besetzt wurden und sich der Anteil der Vorstandsfrauen immerhin von zwei auf drei erhöht hat. Neben Elke Boll, die als „Außenministerin“ des Sportkreises für dessen internationale Beziehungen zuständig ist, beleben nun auch Annika Rack als Vorsitzende des Ausschusses für Frauen und das dritte Geschlecht sowie Marion Brasche als Ressortleiterin für das Deutsche Sportabzeichen den 14-köpfigen Vorstand, in dem mit Heidelbergs Fußball-Kreisvorsitzendem Johannes Kolmer, dem Vereinsvertreter Martin Brandel und dem Fachkreisvertreter Jürgen Brachmann drei neue, unverbrauchte und ideenreiche Männer mitwirken.

Gerhard Schäfer und seine Mitstreiter legten vor einer großen Schar von Ehrengästen – unter ihnen der Bundestagsabgeordnete Professor Karl A. Lamers (CDU) und Dr. Martin Lenz (Karlsruhe), der Präsident des Badischen Sportbundes Nord – eine eindrucksvolle Bilanz ihrer dreijährigen Arbeit vor und wurden vielstimmig gelobt und, natürlich einstimmig, entlastet. Wortführer der Lobenden war Gert Bartmann. 

Der Leiter des Amtes für Sport und Gesundheitsförderung der Stadt Heidelberg zählte einige „Initiativen und Projekte für die Vereine, Schulen und Familien sowie in der Integration und Kriminalprävention“ auf, „die unserer Stadt gut tun.“ Bartmann verwies auch auf die gute Arbeit des Bündnisses für den Sport, dem sich zwölf der 13 Fraktionen des Gemeinderates angeschlossen haben und das „politisch neutral, aber nicht unpolitisch für die Förderung des Sports eintritt“ und dabei sehr wirkungsvoll sei. 

Die Stadt Heidelberg unterstützt den Sportkreis mit rund 185 000 Euro aus dem Sportförderungsprogramm und steuert weitere etwa 28 000 Euro aus dem Stadtsäckel zur Finanzierung der fünf jungen Menschen bei, die beim Sportkreis ihr Freiwilliges Soziales Jahr ableisten und neben der gastgebenden Ziegelhäuser Karnevals-Gesellschaft unter der Leitung ihres Vorsitzenden Matthias Wunsch für die Organisation in der gut gefüllten Steinbachhalle sorgten. Wie rasch die FSJ-Mitarbeiter nach der zweistündigen Sitzung die vielen Stühle wegräumten, war olympiareif. Auch vom Rhein-Neckar-Kreis wird der Sport gut unterstützt, wie dessen Sportchef Matthias Köpfer zu Recht herausstellte.

Große Hoffnungen richtet der Sportkreis-Vorstand auf die zügige Fertigstellung der Großsporthalle, die dem Schul- und Spitzensport neue Perspektiven bieten soll, und an den Masterplan für das Neuenheimer Feld.

Für zwei Persönlichkeiten war der Sportkreistag besonders bewegend: Alfred Lampert vom FC Fortuna Schatthausen wurde nach 24 Jahren als stellvertretender Vorsitzender aus dem Vorstand verabschiedet und mit stehenden Ovationen der Delegierten zum Ehrenmitglied ernannt. Und Hans-Joachim Wallenwein vom TSV Handschuhsheim, war vom Gemeinderat zum „Förderer des Sports“ gewählt wurden und erhielt die Sportplakette der Stadt aus den Händen von Gert Bartmann. Wallenwein ist seit 1986 Kreisfachwart für Rugby und stellvertretender Vorsitzender des Rugby-Verbandes Baden-Württemberg. Er war 16 Jahre lang Chef des Nationalteams.