„Wo drückt der Sportschuh“ – „Bündnis für Sport“ kümmert sich um die Wünsche und Probleme der Heidelberger Sportvereine

Ihre Sorgen und Nöte konnten die Heidelberger Sportvereine in insgesamt vier Veranstaltungen (Nord, Süd, West und Ost) dem „Bündnis für Sport“ vorbringen. Das „Bündnis für Sport“ ist ein Aktionsbündnis, das Politiker und Sportverantwortliche zusammenbringt.  Unter dem Titel „Wo drückt der Sportschuh“ machten sie konstruktive Vorschläge, wie sich Probleme lösen lassen könnten. Die Ergebnisse aus den Sitzungen haben die Sprecher des Bündnisses – Michael Rochlitz, Gerhard Schäfer und Dr. Peter Schlör – zusammengefasst und daraus eine Prioritätenliste gemacht.Mit dieser Liste will das Bündnis nun auf den Gemeinderat und die Stadtverwaltung zugehen und zeigen, wo den Vereinen der „Schuh ganz besonders stark drückt“.

„Die Stadt hatte in den letzten 15 Jahren einen Zuwachs von etwa 15.000 Einwohnern, in Patrick Henry Village sollen noch einmal 10.000 hinzukommen. Allein schon für diesen Zuwachs brauchen wir zwingend mehr Sportstätten, insbesondere für die Wintermonate“, berichtet Schlör über eines der Hauptgesprächsthemen – den fehlenden Hallenzeiten. Aus Sicht des Bündnisses werden deshalb mehr Sporthallen benötigt und bestehende Hallen müssen saniert oder erweitert werden. „Außerdem ist die Umgestaltung von Rasen- in Kunstrasenplätzen dringend notwendig“, so Schlör. 

Alle Vorschläge der Vereine tauchen in der Prioritätenliste auf, die das Bündnis erstellt und gewichtet hat. Im Bereich „Neubau und Erweiterung“ will das Bündnis für Sport die Erweiterung der Köpfelhalle in Ziegelhausen vorantreiben. „Seit zehn Jahren gibt es da Überlegungen. Die heutige Halle reicht nicht aus, es gibt mehr Bedarf als freie Hallenzeiten, vor allem im Winter“, so Rochlitz. Und da es sich um die einzige große Halle im Osten der Stadt handle, müsse sie erweitert werden. Auch der Umbau der Mark-Twain-Sporthalle und das Kunstrasenspielfeld des TSV Pfaffengrund haben eine hohe Priorität.

„Wir brauchen Sporthallen, aber wir müssen schauen, dass sie einigermaßen günstig gebaut werden können“, sagt Rochlitz.Die Stadt greife deshalb auf Hallen in Industriebauweise zurück oder baue Erweiterungen, berichtet Schäfer. „So können wir mit wenig Mitteln eine neue Sportstätte schaffen“, betont auch Schlör. Denn mit einem Anbau und der Mitnutzung der bestehenden Infrastruktur entfalle zum Beispiel ein teurer Sanitärtrakt.

Im Bereich „Sanierung und Renovierung“ stehen auf der Agenda die Neckarhalle der Carl-Bosch-Schule in Wieblingen und die Sporthalle der Hotelfachschule ganz oben. Die Halle der Fachschule auf dem Boxberg ist derzeit zur Hälfte gesperrt und kann kaum genutzt werden. Im Sportzentrum-West ist zudem der Bodenbelag zu glatt, was insbesondere für Handballer ein Problem darstellt. Angesprochen wurden in den Sitzungen auch Zuständigkeitsprobleme: Für die Pflege und die Neubeschaffung von Turngeräten sind zum Beispiel die Schulen selbst verantwortlich, denen dafür eine Pauschale zur Verfügung steht. „Ist etwas beschädigt, können die Vereine aber nicht trainieren“, erklärt Rochlitz.

Weitere Themen waren zum Beispiel Verkehrsthemen wie fehlende Fahrradabstellplätze, die verbesserungswürdige Zufahrt zum Sportzentrum-West in Wieblingen oder fehlendes Internet. „Auf den Sportplätzen fehlt zum Beispiel eine vernünftige W-Lan-Abdeckung, damit die Vereine ihre Spielergebnisse gleich durchgeben können“, berichtet Rochlitz.

Schlör wagt auch einen Vergleich mit der Kultur, wobei er betont, nicht an den Kulturausgaben sparen zu wollen: „Wenn für die Kultur Geld da ist, muss auch für den Sport Geld da sein“, bringt es der Steuerberater auf den Punkt. „Im aktuellen Doppelhaushalt liegen die Ausgaben für den Sport 2020 inklusive der Schulsporthallen bei 11,4 Millionen Euro. Die Ausgaben für die Kulturförderung liegen allerdings bei 50,3 Millionen Euro, inklusive Kurpfälzisches Museum, Stadtbücherei und Musik- und Singschule“, weiß Schlör. Allein das Theater, das Zimmertheater und das Unterwegstheater erhielten aus diesen 50,3 Millionen Euro 24 Millionen. „Das Theater hatte 2016/17 insgesamt 224.000 Zuschauer. Das heißt, ein Ticket wird mit etwa 100 Euro bezuschusst“, so Schlör. Dagegen seien 45.000 Menschen Mitglied in einem der 123 Sportvereinen der Stadt. „Im Badischen Sportbund sind 23.423 Mitglieder zwischen sieben und 40 Jahren gemeldet. Davon macht die Hälfte zwei Mal in der Woche Sport. Wir haben so also eine Gesamtteilnehmerzahl von rund einer Million Sportlern pro Jahr“, so Schlör.

Timo Teufert (RNZ)