RNZ Interview Claus Weber vom 26.9.2025 Sein erstes halbes Jahr als neuer Vorsitzender des Sportkreises Heidelberg hatte sich Dr. Peter Schlör wohl etwas einfacher vorgestellt. Viele Vereine suchen nach ehrenamtlichen Mitarbeitern, es fehlt an Hallenkapazitäten – und nun wird auch die Finanzierung des Sports immer schwieriger, weil die Kommunen sparen müssen. Doch dem 61-jährigen selbstständigen Steuerberater, der über 30 Jahre Basketball beim Heidelberger TV gespielt hat, macht der Job auch großen Spaß. Was sich der Nachfolger von Gerhard Schäfer, der dem Sportkreis 30 Jahre lang vorstand, zum Ziel gesetzt hat, wie er sein Amt führen und auf die aktuelle Finanzkrise reagieren will, das erklärt er im RNZ-Interview.
Peter Schlör, Sie sind jetzt seit gut fünf Monaten im Amt. Ihr erstes Fazit…
Der Übergang war reibungslos, weil ich ja auch schon seit Jahren im Vorstand bin, zuletzt auch vier Jahre lang für die Finanzen zuständig war. Und unser Team hat sich wenig verändert, auch Geschäftsführer und Mitarbeiter sind geblieben und arbeiten sehr professionell. Mit den Heidelbergern Klubs war ich in den letzten Jahren schon sehr gut vernetzt. Bei den Vereinen aus dem Kreis gibt es – das gebe ich zu – noch Nachholbedarf, den ich mit Besuchen aufholen möchte.
Gab es etwas, das Sie in den ersten fünf Monaten überrascht hat?
Der Sport verändert sich. Es wird immer schwieriger, Ehrenämter zu besetzen. Wir haben in Heidelberg mittlerweile drei Vereine, die keinen Ersten Vorsitzenden haben. Deshalb sind wir dabei, Pläne für hybride Vorstände zu entwickeln.
Was kann man darunter verstehen?
Ein hybrider Vorstand ist jemand, der sein Amt einerseits im Ehrenamt ausübt, gleichzeitig aber die Geschäftsstelle übernimmt und dafür entlohnt wird.
Welche weiteren Ziele haben Sie sich für Ihre Amtszeit gesetzt?
Der Sportkreis soll ein verlässlicher Partner für Vereine und die Stadt sein. Dazu gehören aber auch eine stabile Finanzierung und moderne Sportstätten. Der Sport soll die Anerkennung erhalten, die er verdient und weiterhin ein zentraler Bestandteil der Lebensqualität in Heidelberg sein.
Sehen Sie diesen Status gefährdet?
Ich will es mal so sagen: Der Sport in der Außendarstellung ist ein Phänomen. Jeder findet ihn gut und bei Erfolgen sind alle sofort da. Aber um monetäre Unterstützung müssen wir schon seit jeher kämpfen. Für mich ist das bis heute kaum erklärbar. Dabei gibt es keine Institution, die so wie der Sport den kompletten Lebensweg eines Menschen bespielt. Vom Baby-, Kinder-, Jugend-, Erwachsenen- bis zum Seniorensport, der übrigens stark gewachsen ist. Wir bedienen das Thema Inklusion und sind die am besten geeignete Institution für Integration.
Was unterscheidet Sie von Ihrem Vorgänger Gerhard Schäfer?
Erst einmal muss ich sagen, dass wir die sehr positive Entwicklung, die der Sportkreis unter Gerhard Schäfers Leitung in den letzten 30 Jahren erlebt hat, natürlich fortsetzen wollen. Aber ich glaube, dass es auch neue Herausforderungen gibt. Denn – ich habe es schon angesprochen – das Vereinswesen ändert sich. Wir müssen die Dinge deshalb progressiver angehen und fordernder gegenüber der Stadt auftreten. Wir waren in der Vergangenheit zu zurückhaltend.
Ausgerechnet jetzt setzt die Stadt Heidelberg den Rotstift an, alle Bereiche müssen sparen, auch der Sport.
Das ist für den Sportkreis und die Vereine eine besorgniserregende Lage, in der wir uns aber solidarisch zeigen. Die aktuell vorgesehene Kürzung von fünf Prozent tut uns sehr weh und wird zwangsweise zur Reduzierung von Projekten führen.
An welchen Stellen lassen sich Abstriche machen?
Die Mittelstreichungen könnten dazu führen, dass das ein oder andere Projekt des Sportkreises nicht mehr durchgeführt werden kann. Vielleicht müssen wir über das Schaufenster des Sports 2026 sprechen.
Erwarten Sie weitere Einsparungen?
Ich denke, das Jahr 2025 stellt noch das kleinere Problem dar, fürchte aber weitere Streichungen in den Folgejahren. Wenn wir aber an die Mittel für den operativen Betrieb der Vereine rangehen müssen – ich denke an Zuschüsse für Übungsleiter, Fahrtkosten oder Mittel für Energie- und Heizkosten – werden sie einen Teil ihres Betriebs einstellen müssen.
Wie könnte das konkret aussehen?
Man kann nicht ausschließen, dass Angebote nicht mehr unterbreitet oder so-gar Gruppen oder Mannschaften abgemeldet werden müssen. Und es besteht die Gefahr, dass wir die Nutzung der Hallen in der Patrick Henry-Village nicht mehr gewährleisten können – das alles vor dem Hintergrund, dass die Hallensituation ohne Weiteres schon angespannt ist.
Wie meinen Sie das?
Wir haben aktuell rund 2500 Jugendliche auf der Warteliste, die im Winter keinen Sport in den Hallen betreiben können. Im Sommer ist es einfacher, aber im Winter fehlen uns einfach die Kapazitäten. Für eine Stadt wie Heidelberg ist das auf Dauer keine tragbare Situation.
Der Sportkreis hat schon seit längerem darauf hingewiesen.
Ja, und bei der Erstellung des ersten Haushalts hatten wir auch um neue Hallen im Norden und Süden der Stadt, eine Freiluftarena in Schlierbach, die Erweiterung der Köpfelhalle und zwei Halbtagsstellen zur Unterstützung der Vereine gebeten. Das klingt nach hohen Forderungen, ist aber das, was es eigentlich bräuchte, um das Grundbedürfnis der Vereine abzudecken.
Im derzeitigen Haushalt sind diese Forderungen nicht mehr enthalten?
Nein, wegen der aktuellen Haushaltslage haben wir darauf verzichtet. Wenn man so will, haben wir uns schon beschränkt, weil wir die Forderungen aus solidarischen Gründen gar nicht erst gestellt haben.
Wie wollen Sie nun weiter vorgehen?
Wir werden natürlich weiterhin konstruktiv mit der Stadt zusammenarbeiten. Wir müssen aber die Bedeutung des Sports künftig noch mehr nach vorne stellen und vielleicht auch fordernder werden – und auch den Vergleich zu städtischen Ausgaben im kulturellen Bereich nicht scheuen.
Was meinen Sie damit genau?
Im städtischen Haushalt betragen die Ausgaben für die Kultur das Siebenfache der Kosten für den Sport. Verstehen Sie mich nicht falsch: Kultur ist ein wesentlicher Teil einer Stadtgesellschaft, aber Gerechtigkeit ist mir auch wichtig. Sport darf nicht leiser sein als Kultur.
Was treibt Sie trotz mancher Probleme und Herausforderungen an, dieses Ehrenamt auszuüben?
Mich hat der Sport schon früh in meinem Leben geprägt, nun möchte ich einiges davon zurückgeben. Sport bringt Menschen egal welchen Alters zusammen und hat in Heidelberg und der Region einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Ich möchte dazu beitragen, dass dieser Stellenwert nicht nur erhalten, sondern weiter gestärkt wird.
